Beweggründe

Feuerwehrausbildung ist oftmals stoffbezogen, Die Frage

Womit beschäftigen wir uns heute?

steht im Vordergrund. Ich halte allerdings die Frage,

Was soll am Ende meines Ausbildens herausgekommen?

für wesentlich zielführender.

Ich erlebe auch immer wieder das die tollsten Inhalte toll präsentiert werden (ja, ich BIN bekennender PowerPoint-Hasser) und am Ende ungefähr so bei den Teilnehmern hängen bleibt, wie beim Vorabend-Programm im Fernsehen.

WARUM?
Nun, es fehlen oft die elementaren Schritte beim Ausbilden. So erlebe ich praktisch nie einen sorgfältig gemachten „Einstieg mit Motivation“. Das bedeutet aber, dass der Feuerwehrangehörige nicht erkennt und versteht warum er sich damit auseinandersetzen soll… damit ist der Ausbildungserfolg fraglich.

Kaum einer nutzt die Macht der Bilder – besser gesagt kaum einer nutzt die Macht der Bilder für die Ausbildung.
Einzeltätigkeiten und Grundaufgaben werden aus jeglicher Lage herausgelöst betrachtet. Die Pumpeneinweisung läuft fast immer so: „Halbkreis – so Leute, das ist unsere Pumpe…“

Das führt dazu dass viele Feuerwehren in den Lernzielstufen 1 und 2 verharren. Damit vermittelt der Ausbilder aber  nur “Wissen, in Sinne von „nennen können““ und „Verstehen, im Sinne von „mit eigenen Worten beschreiben bzw. erklären können.““

Wann habt ihr zuletzt einem Menschen in Not, erklärt wie ihr ihn retten würdet?

Niemand wird gedrillt und nur sehr wenige können deshalb behaupten, ein Gerät oder eine Grundtätigkeit auch unter erschwerten Bedingungen zu beherrschen.
Nehmen wir das bekannte Thema „Knoten und Leinen“ . Jede Ausbildung beginnt mit dem was alle wissen: „In der Feuerwehr haben wir zwei Arten von Leinen … die einer rot markiert … blablabla…“.. Das heißt viele schalten schon kurz nach dem Beginn der Ausbildung auf den „Berieselungsmodus“

Frag mal nach wozu der Knebel dient, frag mal nach der Bruchlast, frag mal welche Knoten welche Auswirkung auf die Bruchlast haben, frag mal nach der Längendehnung…

Rettungsknoten

Rettungsknoten können auch viele, den Mastwurf fast jeder; ABER i8n der Realität, im Einsatz, „kopfüber“ oder irgendwie hinter einem Hindernis  „angetüdelt“ wird es schon schwerer, einen vernünftigen, sprich tragfähigen Knoten hin.

….Doch das muss doch mein Ziel aus Ausbilder sein.

Der Rettungsknoten wird ja dann genutzt, wenn ich eine Person sichern muss. In solchen Lagen haben wir natürlich immer Platz , gutes Licht damit die zu rettenden Person brav die Arme zur Seite nehmen kann. Doch was ist wenn die Person und ich geduckt sind, vielleicht liegen, im Dunkeln, im Rauch? Welcher Atemschutzgeräteträger hat schon mal den Rettungsknoten mit Gerät gebastelt?

…Vorbereitung für den Einsatz, den Ernstfall.

Ausbildung zum Thema Persönliche Schutzausrüstung mit Erklärung wie sie funktioniert und worauf zu achten ist, ist schon mal gut weil auch selten. Stellt mal die Frage „Vor was schützt uns unsere PSA?“ Wetten dass dann der Begriff „Flash-Over“ fällt. Dann habt ihr die Teilnehmer: beim Wort „Flash-Over“ startest du unbemerkt eine Stoppuhr mit 12-13 Sekunden Laufzeit und machst kurz weiter – du weißt worauf ich hinaus will?

Beim Piepen der Uhr musst du nur noch sagen: „Ok Kameraden, es gab ’nen „Flash-Over“ als ihr das Wort gerade genannt habt und in diesem Moment schlägt die Hitze durch, das heißt ihr spürt gerade Schmerzen und nun beginnen Verbrennungen zweiten Grades zu entstehen.“

Zu hart? Bestimmt nicht – wenn ich erreichen will, dass die Kameraden sich merken „Flash-Over“ ist kein modernes Abenteuer und es ist unbedingt zu vermeiden, dass man damit zu tun bekommt (Stichwort „Den Rauch lesen lernen“)
Wenn ich will, dass meine Teilnehmer nach einem Flash-Over“ zusehen sich und ihr Truppmitglied schnellstmöglich in Sicherheit – sprich aus den Flammen  – zu bringen.
Wenn ich als Ausbilder will, dass meine Kameraden reflexartig dem dampfenden Kameraden, der aus dem Haus gestolpert kommt, die Überjacke vom Leib reißen um schwerere Verletzungen zu vermeiden (er spürt vermutlich nichts mehr da das Gewebe gerade taub geworden ist.) dann ist es bestimmt nicht zu hart zu sagen um was es bei der Ausbildung eigentlich geht.

Ausbilder stehen vor der Aufgabe das Denken und Handeln ihrer Kameraden umzubauen, um damit ihre Chancen zu erhöhen, einen Einsatz erfolgreich und unverletzt zu überstehen. 
Umbauen ohne dabei einen Scherbenhaufen zu hinterlassen aber durchaus mit der Absicht schnell voran zu kommen. Das Thema Ausbildung ist der Weg zum Ziel, gutes Wissen ist in den verschiedenen Publikationen vorhanden.

Ein Ansatz: entwerft einen Ausbildungsplan (nach FwDV 2 zum Beispiel) und arbeiten den im Zwei-Jahres-Turnus durch. Damit wird oft schon eine deutliche Steigerung der Ausbildungsqualität erreicht.
Sind die wichtigsten Grundtätigkeiten auf diese Art „erschlagen“ dann beginnt die Arbeit im Trupp, der Staffel in der Gruppe. Ich kann später z.B. einen Truppmann ohne langes Nachdenken in allen Positionen einsetzen, wenn er alles beherrscht was er können muss. Was nutzt es, wenn der Atemschutzgeräteträger als Truppmann nicht in der Lage ist, die Angriffsleitung vernünftig im Treppenauge zusichern, nur weil er die Knoten nicht im Schlaf kann.
Dann kommen noch die gerätebezogenen Tätigkeiten (was gibt es in der Wehr?) hinzu.

Bei diesem Webangebot geht es um Tipps und Tricks für die Durchführung der eigenen Ausbildung. Alles hier gezeigte kann nur Vorschlag sein, wie laufen könnte. Zu verschieden die örtlichen Gegebenheiten, zu unterschiedlich die Teilnehmergruppen aber auch die jeweiligen Ausbilder. Ich hoffe sehr, dass ihr hier etwas findet, was ihr nutzbringend verwenden könnt.
Kontaktiert mich gerne bei Anmerkungen, wenn ihr Falsches oder Mißverständliches gefunden habt, aber auch wenn euch etwas gut gefallen und genutzt hat.

Eike Elser

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Feuerwehr ausbilden von Eike Elser ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz.

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